Kinder, im Dutzend billiger!

 

Neulich gab es im Kinderladen ein verlockendes Angebot: Kinder 2. Wahl, ab € 10,-

Natürlich haben der Göttergatte und ich sofort zugeschlagen und uns ein gutes Dutzend der Kinder gesichert. Ich finde ja, Kinder kann man nie genug im Haus haben, sie füllen das Heim mit Leben. Ein Leben ohne Kinderlachen ist zwar grundsätzlich möglich, aber unglaublich langweilig und fade.

Im allgemeinen haben Kinder eine relativ lange Lieferzeit und daher kam uns die sofortige Verfügbarkeit des Angebots sehr gelegen.

Kinderweinen dagegen können wir beide sehr schlecht aushalten, darum haben wir bis ganz unten am Krabbeltisch gegraben, um an die stillen Kinder heranzukommen. Ihr kennt das ja: oben auf liegen immer die, die sich am wichtigsten machen wollen. Nach den Leisen, den wahren Schätzen aber muss man schon ein wenig suchen. Auch bei Spontaneinkäufen wie diesem.

Wir haben außerdem darauf geachtet, nicht eines der kleinsten Exemplare zu erwischen. Erfahrungsgemäß sind die oft nicht ganz dicht und laufen ständig aus. Da nehmen wir lieber etwas mehr Geld in die Hand und leisten uns welche, die den Dichtigkeitstest erfolgreich bestanden haben.

Zu Hause angekommen, haben wir gleich zwei Kinder ausgepackt, die übrigen kamen in die Vorratskammer, damit sie schön frisch bleiben. Zum Glück haben Kinder eine recht lange Mindesthaltbarkeit und verderben nicht so schnell, selbst wenn man sie in Gruppen lagert. Wobei man da ein gewisses Restrisiko schon einkalkulieren muss. Mit der Lagerhaltung von Kindern ist es ähnlich wie bei Kartoffeln: Du kannst noch so genau prüfen, ob alles in Ordnung ist, aber wenn eine zu stänkern beginnt, steckt sie alle anderen an.

Unsere ausgepackten Kinder waren jedoch wirklich gute Einkäufe: eines der beiden hatte zwar eine unübersehbare Macke, das andere aber wies nur kleinere Kratzer auf. Das machte uns natürlich  nichts aus; wir haben ja sehenden Auges B-Ware erstanden und manchmal sind es eben genau die Macken und Kratzer, die ein Kind so liebenswert machen. Gekauft wie gesehen, ohne Recht auf Umtausch. Aber wie gesagt: die beiden schienen voll funktionsfähig und damit ganz in Ordnung zu sein

Nachdem wir die Kinderverpackung weg geräumt hatten, überlegten der Göttergatte und ich, wo wir die beiden Kinder schön in die Wohnung integrieren können. Man holt sich Kinder ja nicht nur wegen ihres Lachens ins Haus, sondern auch des hübschen Anblicks wegen.

„Also, ins Schlafzimmer kommen die mir aber nicht!“ schränkte der Göttergatte dennoch ein. „die sind vor allem am Morgen immer so schmierig und riechen meist dann auch nicht gut.“

„Ach komm, so richtig schlimm wird der Geruch doch erst in der Pubertät und dann wollen die auch nicht mehr im Schlafzimmer bei uns sein“ versuchte ich noch entgegenzusetzen, aber die Miene des Göttergatten verriet mir seine strikte Ablehnung. Eine Diskussion war grundsätzlich ausgeschlossen. Als kluge Ehefrau ließ ich es deshalb darauf beruhen und im Wissen, wenn er die Kleinen erst einmal in sein Herz geschlossen hätte, würde er sowieso einknicken, die Zeit für mich arbeiten.

Während wir uns noch weitere Möglichkeiten der Kinderunterbringung ausdachten, lümmelte sich das Kind mit der größeren Macke unauffällig in die Couch. Es verschmolz nahezu mit ihr, man konnte es nur noch an der Fernbedienung in seinen Händen erkennen. „Mein Kind!“ rief der Göttergatte entzückt und klärte damit gleich und ganz nebenbei auch die Zuständigkeiten für die beiden Neueinkäufe.

Das mit den kleineren Kratzern und ich schauten uns an, nahmen uns gegenseitig genau in den Blick und zaghaft fragte mich das Kind: „Magst Du Kinderschokolade? Ich hab welche dabei.“

Von wegen 2. Wahl! Das Gör wußte genau, wie leicht man ein Mutterherz erobern kann. Mit Schokolade und Kulleraugen kriegen die mich jedes Mal rum. Ich wiederhole: Je-des! Mal! Ganz durchtriebene Exemplare brauchen dafür nicht mal Schokolade, bei denen reicht es schon aus, wenn sie mich anlächeln und z.B. beim Legospiel mitmachen lassen.

Gemeinsam aßen wir vier also Schokolade, kuschelten uns auf dem Sofa aneinander und schauten Fernsehen. Wie eine ganz normale Familie.

Morgen machen wir dann einen gemeinsamen Ausflug und gehen zur Krönung des Tages essen. Sonntags gibt es in unserer Lieblingskneipe immer Kinderschnitzel.

Wenn die beiden B-Kinder mit ihrer Kindheit soweit durch sind, holen wir zwei neue aus der Vorratskammer. Ich bin schon sehr gespannt, welche Macken die wohl haben werden.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass sowohl der Göttergatte als auch ich einige Krabbel(tisch)kinder in der direkten Ahnenreihe haben?

Vermutlich deshalb können wir solchen Angeboten selten widerstehen.

 

Text: A. Müller

Bild: Fundstück bei Facebook

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Ein Gedanke zu “Kinder, im Dutzend billiger!

  1. Herrlich, liebe Schreibtante, vielen Dank für den schönen Beitrag! In meiner Umgebung habe ich solche verlockenden Angebote leider noch nie gesehen. Und die 1. Wahl Kinder sind wirklich sauteuer … Da heißt es dann wohl: Weiterhin die Augen aufhalten, um kein solch spektakuläres Schnäppchen zu verpassen! ; )

    Viele Grüße
    Britta
    https://www.wortopolis.de

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